Diesen Moment kennen alle Eltern. Zwanzig Minuten müssen irgendwie herum, und es gibt nichts, womit man sie füllen könnte. Das Wartezimmer, der verspätete Zug, der Restauranttisch, an dem das Essen ewig braucht. Genau dafür sind Ratespiele da: keine Schachtel, keine Karten, kein Tisch, nur ein bisschen Aufmerksamkeit.
Die folgenden zehn Spiele haben wir mit Kindergarten- und Grundschulkindern ausprobiert. Sie sind vom einfachsten zum anspruchsvollsten sortiert, damit ihr schnell findet, was zu euren Kindern passt.
1. Tiergeräusche
Der sanfteste Einstieg überhaupt. Jemand denkt sich ein Tier aus und macht nur das Geräusch. Wer errät, ist als Nächstes dran. Schon Zweijährige machen mit, denn Bellen und Miauen können sie lange vor den passenden Wörtern.
Wenn euch die Ideen ausgehen, findet ihr in der Kategorie Tiere eine Liste mit 96 Tieren, von der Amsel bis zum Bison.
2. Was ist hinter meinem Rücken?
Ein Kind geht aus dem Zimmer, die anderen verstecken einen Gegenstand. Zurück im Raum darf es Fragen stellen, aber nur solche, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen. Hier lernen Kinder zum ersten Mal, was eine wirklich nützliche Frage ist.
3. Karte an der Stirn
Der Klassiker. Ein Kind hält sich eine Karte oder ein Handy an die Stirn, sodass es selbst nichts sieht, alle anderen aber schon. Die Runde stellt dar oder umschreibt, und das Kind rät.
Genau darauf baut Guessy Kids auf: Auf dem Bildschirm erscheint ein Bild statt eines Wortes, gelesen werden muss also nichts. Bei der richtigen Lösung kippt ihr das Handy nach unten, zum Passen nach oben.
4. Zwanzig Fragen
Denkt euch etwas aus, die anderen haben zwanzig Ja-Nein-Fragen, um darauf zu kommen. Das funktioniert ab etwa sechs Jahren, denn es verlangt Denken in Kategorien: Lebewesen oder Gegenstand, größer oder kleiner als ein Kühlschrank.
Fangt breit an. Wer sofort mit konkreten Vermutungen einsteigt, hat die zwanzig Fragen meist erfolglos verbraucht.
5. Wer bin ich?
Alle bekommen einen Namen an die Stirn geklebt: Zeichentrickfigur, Verwandte, Tier. Reihum wird gefragt, und wer ein Ja bekommt, darf noch einmal. Bei Familienessen ist das der sichere Treffer, weil auch die Großeltern gern mitmachen.
6. Stumme Pantomime
Wie das Spiel mit der Karte an der Stirn, nur darf die darstellende Person keinen Ton von sich geben. Diese Variante bringt für die Körpersprache am meisten, und Kinder lieben sie, weil die Erwachsenen dabei besonders albern aussehen.
7. Farbenjagd
Jemand ruft eine Farbe, alle suchen im Raum etwas Passendes. Eigentlich eher ein Bewegungs- als ein Ratespiel, aber es lässt sich gut mit den Wörtern aus der Kategorie Farben verbinden.
8. Montagsmaler mit Stiller Post
Die erste Person malt etwas. Die zweite sieht nur das Bild und beschreibt es mit Worten. Die dritte malt nach dieser Beschreibung. Das Ergebnis ist fast immer komisch, und ganz nebenbei übt jeder, genau das zu sagen, was er meint.
9. Berufe pantomimisch darstellen
Ein Beruf, nur mit Bewegungen. Der Koch rührt um, die Feuerwehrfrau hält den Schlauch, der Friseur schneidet. Daraus werden kleine Szenen, und Kinder lernen ganz nebenbei, wer den ganzen Tag was macht. Die Kategorie Berufe sammelt 31 davon.
10. Umgekehrtes Raten
Hier denkt sich das Kind etwas aus und die Erwachsenen raten. Für das Selbstvertrauen bringt es erstaunlich viel, einmal die Leitung zu haben. Absichtlich schlechte Vermutungen gehören dazu und kommen meist besser an als die Lösung selbst.
Welches Spiel wann
Ein paar praktische Hinweise:
- Im Auto funktionieren nur Spiele ohne Bewegung. Zwanzig Fragen, wer bin ich, Tiergeräusche.
- Im Wartezimmer braucht es leise Varianten. Stille Post auf Papier oder ruhiges Umschreiben.
- Auf dem Kindergeburtstag gewinnen die bewegten Formen. Stumme Pantomime, Berufe darstellen.
- Vor dem Schlafengehen lieber die ruhigen Spiele, denn Pantomime dreht Kinder eher auf.
Worauf ihr bei den Kleinen achten solltet
Mit drei Jahren eine Regel über eine ganze Runde durchzuhalten, ist wirklich schwer, und das ist völlig in Ordnung. Zwei Dinge helfen am meisten:
- Nehmt den Druck raus. Wer ausscheidet, ist innerhalb einer Minute wieder dabei. Ausscheiden bringt in diesem Alter nur Tränen.
- Haltet es kurz. Eine halbe Minute pro Runde, dann wird gewechselt. Dauert ein Spiel länger als fünf Minuten, ist das Publikum meist schon weg.
Das Schöne an Ratespielen ist, dass sie mit den Kindern mitwachsen. Dieselbe Regel funktioniert mit drei über Geräusche, mit fünf über Bewegung und mit acht über Umschreiben. Nur der Inhalt wird schwerer, die Begeisterung bleibt.
